Clubabend im Herbst

Zu unserem Clubabend hatte Heike Jens-Peter Wedlich von Greenpeace Stuttgart eingeladen, der einen Vortrag zum Thema „Haie – gefährlich oder gefährdet?“ hielt.

Am Anfang erläuterte Jens-Peter die biologischen Besonderheiten der Haie, wie die Evolution sie in über 400 Millionen Jahren hervorgebracht hat. Haie, wie die Rochen und Chimären gehören zu den Knorpelfischen, die weniger als 5% aller Fische weltweit ausmachen. Im Gegensatz zu Knochenfischen, haben die Haie keine Schwimmblase. Sie nutzen stattdessen ihre große ölgefüllte Leber als Schwebeorgan. Eine Ausnahme bildet der Sandtigerhai, der eine Schwimmblase ähnlich wie bei Knochenfischen hat. Der Hai produziert viele Zähne. Sobald ein Zahn herausbricht schiebt ein neuer nach. Beim Angriff kann der Hai sein Gebiss nach vorne stülpen. Außerdem schließt der Hai reflexartig seine Augen, um
diese zu schützen.

Haie nehmen ihre Umwelt wahrscheinlich so differenziert wahr wie kein anderes Raubtier. Sie besitzen spezielle Elektrorezeptoren, die Lorenzinischen Ampullen.
Dadurch sind Haie in der Lage, selbst schwächste elektrische Reize wahrzunehmen, die von den Muskeln anderer Lebewesen erzeugt werden. Der Hai ist ein perfekt konstruierter Jäger, der in der Meeresbiologie eine wichtige Funktion erfüllt. Haie regulieren die Populationen ihrer Beutetiere auf zuträgliche Weise, indem sie alte, kranke und genetisch defekte Tiere aussondern. Der Mensch steht eigentlich nicht auf ihrem „Speiseplan“. Haie verfügen über so feine Sinnesorgane und sind derart gute Jäger, dass kaum jemand unbehelligt aus dem Wasser käme, wenn sie es tatsächlich auf uns abgesehen hätten.1)

Trotzdem kommt es immer wieder zu Angriffen von Haien. Aber man muss die Relation sehen, wenn man bedenkt wie viele Menschen sich täglich im Meer, sei es als Schwimmer, oder Wassersportler, befinden. Laut der ISAF2) ereignen sich weltweit pro Jahr wahrscheinlich 70 bis 100 Haiangriffe (Haiunfälle), die zu
etwa 5 – 15 Todesfällen führen.

Dagegen fängt der Mensch jährlich etwa 100 Millionen Haie, die meisten als sogenannter Beifang. Die Fischereifahrzeuge der EU landen jährlich über 100.000 Tonnen Haie (vornehmlich Blauhai) und Rochen aus aller Welt an. Spanien ist durchweg verantwortlich für mehr als die Hälfte der Anlandungen und für drei Viertel der erlegten Blauhaie. Dadurch ist der Bestand stark gefährdet und dies hat wiederum große Auswirkungen auf das biologische Gleichgewicht im Meer. Im Juni 1999 gab die SSG3) eine Rote Liste von Haiarten heraus, die vom Aussterben bedroht sind. Nicht weniger als 71 von über 450 bekannten Haiarten stehen auf dieser Liste. Vielleicht sind auch viele andere in Not, doch es gibt nicht genug Daten um ihren Schutzstatus zu bestimmen.

Es gibt Anzeichen, dass einige Staaten anfangen den Schutz der Haie ernst zu nehmen. Ein Durchbruch gelang im Juni 2000 als das US-Repräsentantenhaus mit 390:1 das Gesetz zum Verbot des Abtrennens von Haiflossen (Finning) verabschiedete. Das Gesetz trat jedoch erst am 13. März 2003 in Kraft.

Das EU-Parlament war leider nicht so konsequent und stimmte erst am 22. Nov. 2012 für ein strengeres Hai-Finning-Verbot. D.h. für die Ganzkörperanlandung sämtlicher Haie im Hafen im natürlichen Zustand mitsamt den Flossen. Damit wurden die Schlupflöcher, die das Abtrennen der Flossen durch nationale Behörden erlaubten, geschlossen.

Die FOA4) hat einen Aktionsplan zum Schutz der Haie entworfen. Er enthält zwar viele Empfehlungen, ist aber leider nicht bindend und soll vor allem langfristig die nachhaltige Verwertung von Haien sichern. Bestrebungen, den Handel mit Haiflossen einzudämmen, gibt es auch anderswo. So haben in den letzten Jahren mehrere asiatische Fluggesellschaften auf Druck von Verbrauchern erklärt, in der Business Class keine Haifischflossensuppe mehr anzubieten.

Aber nicht nur die Haie sind in ihrem Bestand bedroht, der Fischbestand insgesamt ist gefährdet. Jahrelang ließ die Europäische Union zu, dass die eigenen Fischereiflotten immer größer wurden und mehr Fisch fingen, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen kann. Inzwischen müssen die Trawler auf der Suche nach Fisch bis nach Westafrika, in den Südpazifik und andere Weltregionen fahren. Denn rund 90 Prozent der Speisefischbestände sind überfischt oder werden bis an ihre Grenzen ausgebeutet.

Laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, waren 2010 etwa 3,2 Millionen Fangschiffe auf den Weltmeeren aktiv. Das sind rund 75 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren. Nur 15 Prozent von ihnen waren länger als zwölf Meter und nur drei Prozent länger als 24 Meter. Wie Greenpeace in einem neuen Report darlegt, ist es dieser kleine Prozentsatz der Industrietrawler, der mehr Fische fängt, als alle kleinen Boote zusammen und der mit besonders zerstörerischen Fanggeräten arbeitet. Im Fangnetz eines einzigen Supertrawlers könnten 13 Jumbojets Platz finden.5)

Katastrophale Folgen für die Meeresfauna haben die Thunfisch-Trawler, die sogenannte Fischsammler einsetzen. Das sind pilzförmige Geräte, unter denen sich Thunfische sammeln, um in ihrem Schatten Schutz zu suchen. Sie ziehen aber auch andere Tiere, wie Haie, Schildkröten und Jungfische an. Schließen sich später die Netze um die Sammler, werden sie ebenfalls gefangen. Dieser ungewollte Beifang wird danach wieder über Bord geworfen – doch dann sind die Tiere in den meisten Fällen längst erstickt.

Kürzlich habe ich aus einer Fernsehsendung erfahren, dass wir durch „intelligenten“ und nachhaltigen Fischfang etwa 30% mehr Fisch fangen könnten, ohne dass die Bestände gefährdet wären. Sie würden sich sogar erholen. Nach meiner Ansicht kommen wir um ein Verbot von „Monster-Trawlern“ nicht herum, wenn wir den Fischbestand, einschl. der Haie und aller anderen Meereslebewesen nachhaltig bewahren bzw. schützen wollen. Die Schleppnetzfischerei gehört in diesem Zusammenhang ebenfalls verboten. Außerdem ist es erforderlich, viel mehr und größere Schutzgebiete auszuweisen.

Was kann jeder einzelne tun? Als ehemaliger Küstenbewohner esse ich gerne Fisch, aber ich denke man muss nicht jeden Fisch essen. An dieser Stelle ist ausdrücklich auf den Fisch-Einkaufsratgeber von Greenpeace hinweisen. Den gibt es als pdf- Datei zum Runterladen unter Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.greenpeace.de/fischratgeber

Weitere Informationen zum Thema findet ihr in einschlägiger Literatur. Besonders empfehlen kann ich das Buch von Mark Carwardine über Haie. Auch im Internet sind viele weitere Informationen nachzulesen.

 

Quellenangaben:

1) Mark Carwardine Haie, Delius Klasing Verlag 2005
2) International Shark Attack File
3) Shark Specialist Group
4) Food and Agriculture Organization of the United Nations
5) Greenpeace Nachrichten, Ausgabe 01/2015

Updated: 25. Juli 2017 — 21:33

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