TGS-Clubtauchfahrt Rotes Meer, Dahab, 03.11.2007

0:00 Uhr: An der Hotelrezeption haben wir noch schnell unsere zuvor bestellten Lunch-Pakete entgegengenommen und alles gut verstaut. Dann kam auch schon der Bus. Wir waren die einzigen vier
„Verrückten“ aus unserem Hotel. Die restlichen Insassen der Busse sind bereits in Sharm El Sheikh in den Bus gestiegen. Auf der ca. 1,5-stündigen Fahrt bis zum Katharinenkloster war noch etwas Gelegenheit für die eine oder andere Mütze voll Schlaf.

Dort am Kloster angekommen, wurde die Nacht zum Tag gemacht. Hunderte von Menschen mit Taschenlampen bewaffnet standen in Gruppen oder waren bereits auf dem Abmarsch. Jede Gruppe erhielt einen Namen vom Reiseführer. Wir waren die Gruppe „Ramses“, falls es mehrere „Ramses“-Gruppen
geben sollte, sind wir „Ramses II.“. Durch Rufen des Gruppennamen und der entsprechenden Antwort der
Gruppenmitglieder versuchte nun jeder Reiseführer, den Überblick über seine Gruppe zu behalten. Mit
zunehmender Dauer des Aufstiegs misslang das natürlich immer besser.

Unser Aufstieg begann gegen 2:30 Uhr. Unser Reiseführer erklärte uns, dass wir den Kamelweg gehen und nur die letzten ca. 750 Stufen des Stufen-Weges (über 3600 Stufen) nehmen. Das letzte Stück ist dann auch von jedem ohne Kamel-Unterstützung zu bewältigen. Wir verzichteten auf tierische Unterstützung und  quälten uns tierisch den nicht enden wollenden Weg nach oben. Annette und Folker waren als geübte Bergwanderer irgendwann zwischen 4:30 Uhr und 5:00 Uhr am Ziel. Veronika und ich kamen gegen 5:30 Uhr am Gipfel an, als es schon hell wurde. Wir mussten also um einiges länger schwitzen und uns quälen als unsere beiden Bergfüchs. Aber dafür brauchten wir weniger lange in der Kälte sitzen und frieren. Die Sonne zeigte sich gegen 5:50 Uhr zum ersten mal im weit entfernten Dunstschleier bis sie irgendwann einen kompletten Kreis bildete. Somit war der (angeblich) schönste Sonnenaufgang der Welt auch schnell wieder vorbei und die Sonne schickte sich an, ihre eigentliche Aufgabe wahrzunehmen: nämlich uns zu wärmen! Die ebenso beeindruckende wie auch monotone Gebirgslandschaft rund um den Mosesberg versuchte nun jeder Bergbesteiger mit seiner Kamera festzuhalten. Jedes Foto kann aber immer nur einen kleinen Ausschnitt aus dem imposanten Gesamtpanorama darstellen. Für den richtigen Eindruck muss man schon selbst da oben stehen. Der Abstieg war nicht viel weniger anstrengend als der Aufstieg. Veronika tauschte dann ihre Fußschmerzen gegen solche die ein nicht ordentlich gepolstertes Kamel an seinen Reiter weitergibt. Noch vor dem Ziel (Katharinenkloster) verließ Veronika den Tier-Rücken und verließ sich wieder auf ihre eigene Kraft. Kurz vor Besichtigungsbeginn des Klosters trafen wir Annette und Folker am vereinbarten Frühstücks-Treffpunkt. Schnell noch das nach diesen Strapazen herrlich schmeckende und etwas zu trockene Gummi-Sandwich gegessen und schon erschallte der Ruf „Ramses!!!“

Unsere Gruppe war erstaunlich vollständig und 42 abgekämpfte und leicht zittrige Beine (inkl. Reiseführer)
stapften über den staubigen Weg in Richtung Klostereingang. Noch außerhalb der Klostermauern warfen wir
einen kurzen Blick in das Gebeinhaus mit echten Knochen und Totenköpfen, sowie auf den dahinter befindlichen Friedhof und Garten. Unser Reiseführer berichtete von den drei Religionen, die an diesem Ort friedlich aufeinander treffen (Judentum, Christentum, Islam) und als gutes Beispiel für die ganze Welt gelten sollten. Der Eingang für Touristen ist ein Nadelöhr, das immer nur einem Menschen Durchlass gewährt. Es erinnert ein wenig an „Blockabfertigung“ an einem Alpen-Tunnel. Im Inneren der Klostermauern folgten wir dem „Ramses“-Ruf und wurden an die wichtigsten Punkte im Kloster geführt: Brunnen, Kirche, „brennender Dornbusch“. Der wenige Platz im Klosterhof und die Masse an Touristen sind ein klares Argument für den Schnelldurchgang, den hier scheinbar jeder Reiseführer mit seiner Gruppe veranstalten muss. Es würde sicher keinen wundern, wenn es tatsächlich eine Zeitbeschränkung pro Gruppe gibt. Für das eine oder andere Erinnerungsfoto hatte trotzdem jeder genügend Zeit. Um 10.45 Uhr fuhr unser Bus zurück in Richtung Dahab, das wir gegen 12:15 Uhr erreichten.

Ein anstrengender aber auch schöner und interessanter Ausflug lag hinter uns. Vor uns lag dagegen noch der halbe Tag. Etwa zur gleichen Zeit, wie wir das Kloster hundemüde und etwas geschafft wieder verließen, starteten Pia, Robert, Ingrid und Hans gut ausgeschlafen einen kleinen Ausflug mit Quads in die umliegende Wüstenlandschaft. Annette und Veronika meldeten sich für den Nachmittag ab um auszuruhen. Veronika ließ sich am Nachmittag bei einer Massage die Knochen wieder weich kneten und sank anschließend in den verdienten Schlaf.

Um 13:30 Uhr war unsere Tauchgruppe trotz vorheriger Strapazen vollzählig wieder an der Basis. Kent brachte uns zum Tauchplatz „Islands“. Dort stehen riesige Korallenblöcke, vom Sandboden bis zu 12 oder 15 m aufragend, und bilden die Inseln. Wir schlängelten uns gemütlich durch die Inselwelt, trafen auf gelegentliche Strömungen, Glasfisch-Schwärme, einen großen Schwarm Gelbflossen-Barrakudas, Riffbarsche, Doktor- und Kaiserfische, Fahnenbarsche, Weichkorallen (pumpende und nicht pumpende Xenien, Pilz-Lederkorallen, Bäumchen-Korallen), Steinkorallen vor allem aus den Gattungen Acropora, Montipora, Pocillopora und Stylophora. Nach ca. 50 Minuten waren wir wieder an der Oberfläche und immer noch damit beschäftigt, das Gesehene zu verarbeiten und im persönlichen Speicher abzulegen.

Bereits um 17 Uhr trafen wir uns zum Nacht-Tauchgang. Folker tauchte diesmal nicht mit und durfte sich vor dem Abendessen noch mal ausruhen. Kent hatte für uns den Tauchplatz „Lighthouse“ ausgewählt, der sich nahezu direkt an der Strandpromenade von Dahab befindet. Dementsprechend stoppten Pick Up und Jeep unmittelbar an einer kleinen Straßenkreuzung mitten im Nachtleben von Dahab. Da wir die Neoprenanzüge bereits in der Basis angezogen hatten und die Geräte schon zusammengebaut waren, brauchten wir nur noch Blei und Gerät anlegen und schon latschten 5 Froschmänner durch Dahab´s Straßen. Nach 2 mal abbiegen waren wir am Wasser, Wegstrecke gesamt vielleicht 100 Meter oder etwas mehr. Kurzer Lampen- und Gerätecheck und es hieß wieder „Schnuller rein! – Abtauchen!“ Unter Wasser ging es zunächst an einer Riffwand oder einem Riffhang entlang. Dort beeindruckte eine Unmenge an verschiedenen Federsternen, die wohl alle heute Nacht Ausgang hatten. Weitere Highlights waren eine Spanische Tänzerin, die ich zwar fotografiert hatte, aber nicht als Besonderheit wahrgenommen habe, ein wunderschöner Igelfisch und diverse Feuerfische. Der zweite Teil des Tauchgangs führte uns über eine Seegraswiese auf der massenhaft Amphoren versenkt wurden. Gefleckte Wurmseegurken gehörten wohl zu den ersten Besiedlern dieser künstlichen Behausungen. Zurück im Hotel wurden wir bereits von den Nicht-Tauchern dieses Abends zum Abendessen erwartet.

Updated: 3. September 2017 — 21:43

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